Thema: Historische Zollstätten im Wipptal
Seit dem 10. Jahrhundert n.Ch. gehörte die Einhebung der Zölle zu den Hoheitsrechten der deutschen Könige, die die Landstraßen, Flussläufe, das Markt- und Münzrecht sowie die Forst- und Bergrechte umfassten.
Kaiser Konrad II übertrug 1027 in Tirol dem Bischof von Brixen diese Rechte. Dieser verlieh sie den Vögten weiter. Als im 13. Jahrhundert die Grafschaften im Etschtal, im Ober- und Unterinntal unter den Grafen von Tirol vereinigt wurden, verfügten die Landesfürsten, in jener Zeit waren es die Brixner und Trientner Bischöfe, über die Zollrechte.
Unter den damaligen Zollarten unterschied man die eigentlichen Zölle, das sind Waren- und Finanzzölle, und die kleinen Zölle, die die Weg-, Markt- und Niederlagsabgaben betrafen. Jenseits des Brenners richteten die Landesherren die Zollstation „Lueg“, welche in den Tiroler Freiheitskriegen im Jahre 1809 von den Franzosen zerstört wurde. Diesseits des Passes jene von „Lurx“ gelegen an der Straßenenge oberhalb von Sterzing und des öfteren auch als Zoll in der Klause bei Sterzing benannt.
.
Der „Zoll in der Klause“, wo im 14. Jahrhundert zeitweilig der Silberzoll für die Münzstätte Meran eingehoben wurde, ist mit dem daraus entstandenen Sporthotel Zoll identisch. Der historische Erker ist noch bestens erhalten, er ist knapp über der Straße am Gastgebäude angebaut. Der Kutscher brauchte bei der Bezahlung der Zollgebühren seinen Bock nicht verlassen, sondern reichte die Münzen durch das Erkerfenster und fuhr dann weiter.

Der Brennerweg verband Italien mit dem deutschen Raum. Das Ziel der Händler war in italischen Landen immer Venedig. Die Lagunenstadt diente als Umschlagplatz für Waren aus dem Orient. Hier holten sich die Kaufleute vor allem Pfeffer – nicht umsonst nannte man sie „die Pfeffersäcke“ – und andere Gewürze wie Ingwer, Muskat, Zimt, Gewürznelken usw. und brachten sie über den Brenner. Weiters beförderten sie Baumwoll- und Seidenstoffe, Wein Öl, Südfrüchte und Glas aus Venedig über den Brennerpass. . Im Gegenzug brachten die Händler unter anderem Salz aus Tirol, flandrische Wolltücher, Leinen und Metallwaren aus deutschen Landen nach Italien

Um 1388 gab es neben der Zolleinnahmestelle „Lurx“ im Raume Sterzing noch Zollstätten an der Stange in Mareit und in der Vill bei Sterzing an der Jaufenstraße. Alle dienten den kleineren Zolleinnahmen. Nach einer Wegordnung von 1415 durch Herzog Ernst zahlten einheimische Fuhrleute am Zollhaus „Lurx“ jährlich drei Kreuzer, wenn die Fracht in Sterzing blieb; sechs Kreuzer, wenn sie weiter geführt wurde. Fremde Fuhrleute mussten jedes Mal pro Wagen einen Kreuzer, und für jedes Saumpferd zwei Pfennige bezahlen. Für Sterzinger Bürger gab es für den Eigenbedarf eine Zahlerleichterung oder auch eine Zollbefreiung.

Das alte Zollhaus im „Lurx“ wurde 1604 umgebaut und 1643 völlig erneuert. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte die Auflösung der Zollstätte.

Dann diente das Zollgut bis 1967 als landwirtschaftliches Anwesen, dessen Größenordnung eher bescheiden war. 1969 beschlossen die heutigen Besitzer aus dem einstigen Zollhaus einen Gasthof zu schaffen. Die Eltern der heutigen Besitzerfamilie Romana und Johann Messner führten Umbauarbeiten zu einem Gasthof mit Gaststube und sieben Zimmern mit 15 Betten durch.
Die Gaststätte wurde in den folgenden 50 Jahren zu der Hotelanlage Sporthotel Zoll erweitert. Geblieben ist nicht nur der Name „Zoll“ sondern auch die Funktion für Gäste und Durchreisende ein Ziel an der alten Brennerstraße zu sein und damit die Tätigkeit der alten Zollstätte würdig zu ersetzen.