Thema: Tourismus
Tipp: Eine Kletterpartie am Peter Kofler Klettersteig in der Stafflacher Wand
Dank seiner günstigen Lage auf dem Weg zwischen Deutschland und Italien war das Wipptal schon immer auf Reisende eingestellt. Bereits vor mehreren hundert Jahren gab es hier schon wichtige Gasthäuser und Herbergen entlang des Weges, wie es auch der Gasthof Wolf schon seit langem ist. War die Reise über die Brennerberge damals noch ein Hindernis für den Reiseverkehr, verbringen heute viele Gäste nun gerne einen Urlaub in den unberührten Bergtälern des Wipptals. Wie sich der Tourismus entlang der Brennerstraße entwickelt hat, können Sie hier genauer nachlesen.

Bildungsreisen

Um 1900 waren es hauptsächlich Bildungsreisende, die auf dem Weg nach Italien durch das Tal reisten. Im September 1786 passierte Johann Wolfgang von Goethe den Brenner auf seiner Italienreise und beschrieb seine Eindrücke in seinem Reisetagebuch „Italienische Reise“. Bildungsreisen waren zu dieser Zeit und vor allem Engländer wollen die Landsleute des Freiheitskämpfers Andreas Hofer kennenlernen.

Aufschwung durch Brennerbahn
Großen Einfluss auf die Entwicklung im Tourismus im Wipptal hatte der 1867 abgeschlossene Bau der Brenner-Eisenbahn zwischen. Steinach war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein blühender Höhenluftkurort mit für damalige Zeit modernen Hotelbauten und zählte in Tirol zu den bedeutendsten Tourismusorten. Auch die Gastgeber in den Tälern profitierten von der Brennerbahn, denn diese erleichterte die Anreise der Gäste um einiges.

Sommerfrische & Alpinismus
Mitte des 19. Jahrhunderts setzte der Tourismus in Form der „Sommerfrische“ auch im Wipptal ein. Die wohlhabendere Bevölkerung, die vor allem in den Städten wohnte, kam im Sommer für drei Wochen oder mehr aufs Land um sind in der Frische und der Natur zu erholen. Die Sommerfrische war bis in die 70er-Jahre der hautsächliche Grund für Gäste ins Wipptal zu reisen. Neben der Sommerfrische wurde der Alpinismus zum zweiten wichtigen touristischen Standbein in der Region. Die im 19. Jahrhundert aufflammende Begeisterung für die wilde Bergwelt brachte die ersten Gäste auf die Gipfel der Berge in den Seitentälern. Die (Erst-)Besteigungen der Zillertaler Alpen mit Olperer, Schrammacher und Fußstein wurden beispielweise direkt von der Bahnstation in St. Jodok aus gestartet. Eine Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Täler wurde erst viel später, in den 1970er oder 80er Jahren eingerichtet.

Fremdenverkehrsverein
Um die Bedürfnisse der Reisenden besser zu erfüllen, entstanden die ersten Verschönerungs- oder Fremdenverkehrsvereine. Die ältesten gehen auf die Jahre um 1870 zurück, der Fremdenverkehrsverein Steinach wurde im Jahre 1887 gegründet. Damals hatte noch jeder Ort einen eigenen Fremdenverkehrsverein. Zu den Aufgaben zählten unter anderem die Pflege von Spazierwegen und Parks oder die Errichtung von Rastbänken.

1000-Mark-Sperre
Zu Beginn der 1930er Jahre wird die touristische Aufwärtsentwicklung jäh gestoppt. Die Weltwirtschaftskrise steuert ihrem Höhepunkt entgegen. Doch es kommt noch schlimmer: Die nationalsozialistische Regierung in Deutschland erlässt eine Verordnung, wonach jeder Reichsdeutsche, der nach Österreich ausreisen will, eine Gebühr von 1.000 Reichsmark zahlen muss. Diese „1.000-Mark-Sperre“ bringt den Strom der Gäste aus Deutschland zum Erliegen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg erholt sich der Tourismus wieder langsam.

Auf nach Italien…

Der Brennerpass ist seit jeher eine der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsverbindungen in Europa. Mit zunehmender Motorisierung der Bevölkerung aufgrund des wachsenden Wohlstandes nach dem zweiten Weltkrieg erhöhte sich der Individualverkehr besonders bei den Reisenden Richtung Süden. Die Orte entlang der Brennerstraße blühten auf und wurden sehr belebt. Die Touristen mussten auf dem Weg nach Italien einen Zwischenstopp einlegen, daher entwickelten sich vor allem an der Hauptstraße in Matrei, Steinach und Gries die touristisch größten Betriebe in der Region, die größtenteils vom Durchzugstourismus lebten. So wurden 1960 in der Hochsaison Tagespitzen von 14.000 Motorfahrzeugen festgestellt. Mit immer leistungsfähigeren Fahrzeugen und dem Bau der Brennerautobahn 1973 veränderte sich allerdings die Situation und der der Durchzugstourismus ging zurück. Seither hat sich der Tourismus mehr in die Seitentäler verlagert. Dort warten jede Menge unentdeckte Ausflugsziele wie Hütten, Almen, Seen und vor allem eine noch unberührte Naturlandschaft. Die Region ist außerdem ein wichtiges Naherholungsgebiet und beliebtes Ausflugsziel für Bewohner im Raum Innsbruck.
Kontakt
Familie Huter
6150 Steinach am Brenner